Kinderchirurgie, Dushanbe, April-Mai 2026

Bei unserem kinderchirurgischen Einsatz im April-Mai 2026 stehen zwei grosse Themen im Vordergrund: Einerseits die Abklärung und chirurgische Behandlung von sechs Mädchen mit einer komplexen anorektalen Malformation, einer Cloaka-Malformation, und andererseits die Initialisierung einer histopathologischen Möglichkeit zur Differenzierung von Morbus Hirschsprung-Biopsien. Beide Themen sind für Tajikistan eine absolute Neuheit und dementsprechend ein Meilenstein in der Entwicklung der entsprechenden Therapieansätze.

Ein hervorragender Kinderchirurg aus Nijmegen, NL, und seine kinderurologische Kollegin bilden mit ihrer Expertise das Kernteam in der Behandlung der ARM-Kloakenanomalie. Vor der Operation wird bei jedem Mädchen eine Zystoskopie, eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmitteldarstellung der Kloakenanatomie sowie anschliessend eine urodynamische Untersuchung zur Messung des Blasendrucks durchgeführt. Nach einer multidisziplinären Besprechung zur Festlegung der für jede Patientin erforderlichen Operationsart beginnt unter grosser medialer Aufmerksamkeit die erste rekonstruktive Operation am Mittwoch, 29.April 2026.

Die vorbereitenden Untersuchungen plus die jeweils mehrstündigen chirurgischen Eingriffe füllen die ersten 10 Tage des Einsatzes und sind eine enorme logistische Herausforderung. Ein grosses Kompliment für diese herausragende Leistung gebührt dem tajikischen Team.

Als OP-Pflegende begleiten wir die tajikischen Kolleginnen bei den Cloaka-Eingriffen und den komplexen Re-Operationen und können so unser Wissen direkt in der Praxis weitergeben. Noch immer ist Hygiene eine Sorgenkind und wir beschliessen, im Oktober einen speziellen Hände-Hygiene-Tag zu gestalten.

Parallel dazu werden im Rahmen von Sprechstunden Dutzende von Kinder sowohl urologisch wie viszeralchirurgisch gesehen und deren Behandlungspläne zusammen mit den tajikischen Ärzten festgelegt. Bei einigen notwendigen Re-Operationen ist dabei die Expertise der SMT-Chirurgen unabdingbar. Leider fehlt immer noch ein Resektoskop, welches zur Grundausstattung einer kinderurologischen Abteilung gehört und mit Hilfe dessen Kinder mit einer infravesikalen Obstruktion nicht nur diagnostiziert, sondern auch endoskopisch behandelt werden können. 

Ein kleiner Teil des Teams bleibt dieses Mal drei Wochen, um einerseits gemeinsam mit dem tajikischen Team die postoperative Nachsorge der Cloaka-Patientinnen zu übernehmen und so die die Bedeutung einer optimalen prä-, peri- und postoperativen Versorgung zu unterstreichen. Andererseits kommt in der dritten Woche ein Pathologe aus Liverpool und initialisiert zusammen mit dem tajikischen Pathologen die histopathologische Differenzierung von Hirschsprung-Biopsien. Morbus Hirschsprung ist eine angeborene Erkrankung, bei der die Nervenzellen an Teilen des Darmes, meist Dickdarm, fehlen. Bis dato war es nicht möglich, in Tajikistan in Biopsien diese fehlenden Nervenzellen nachzuweisen. Die Präparate mussten bislang nach Moskau geschickt werden, was die Eltern 300 USD kostete. Dass dies jetzt in Tajikistan möglich ist, ist ein Meilenstein in der Behandlung dieser Kinder!

Insgesamt waren diese drei Wochen sehr produktiv, die Zusammenarbeit mit unseren tajikischen Kollegen fruchtbar und die erreichten Ziele motivieren uns für ein Weitermachen!

 

Dr. Caroline Kuijper, Kinderurologin

Dr. Liesbeth de Wall, Kinderurologin (Nijmegen)

Ellen de Bruijn-Kempe, Pflegefachfrau spezialisiert in Urodynamik

Em. Prof. Dan Aronson, Kinderchirurg

Prof. Ivo de Blaauw, Kinderchirurg (Nijmegen)

Kerstin Schwendener, OP-Pflege

Wadood Mehran, OP-Pflege

Brigitte Fritschi, OP-Pflege, Team-Leader