Ziele des diesjährigen Einsatzes waren (1) vertieftes Kennenlernen von Tätigkeiten, Interessen und Bedürfnisse von Pflegenden der Intensivmedizin, (2) Überprüfen der Funktionstüchtigkeit der Gerätschaft auf der Intensivstation, (3) Motivation zur Mobilisation möglichst vieler Patienten und Patientinnen, (4) Refresher zu Handhygiene mittels täglicher Rückmeldungen und mehreren Fortbildungen, (5) Vertiefung der sieben Standard Operating Procedures (SOPs), Besprechung der minimal einzuhaltenden Massnahmen (6), spitalweite Vorlesungen für Führungspersonal zu Hygiene, rationalem Gebrauch von Antibiotika und zu Verordnung von Nootropika (in Tadschikistan stark verbreitete Medikamente, die dem Hirn in irgendwelcher Weise helfen sollen), (7) Festlegung einer regelmässig wiederkehrenden Vorlesungsserie «Applied Physiology» an der Universität Dushanbe und unserer Mitarbeit an nationalen für die Intensivmedizin wichtigen Behandlungsprotokollen.
Nach anfänglicher Zurückhaltung konnte das Eis gebrochen werden und die Pflege liess uns teilhaben an ihrem Alltag, sie stellten Fragen und äusserten Wünsche fürs nächste Mal. Die Chef Headnurse lässt uns das Curriculum der Grundausbildung und der Kurzweiterbildung Intensivpflege zu kommen, sodass theoretische Inputs darauf aufgebaut werden können. Mit einem Drägermitarbeiter kontrollierten wir alle Beatmungsgeräte und Monitore auf der Intensivstation, der Neonatologie und der Kinderintensivstation. Die Geräte seien in gutem Zustand, müssen dringend gewartet und die Sauerstoff-Sensore ausgetauscht werden. Wir haben die Pflegenden und die Ärzte über die Indikation und Wichtigkeit der Mobilisation informiert und die Patienten anschliessend gemeinsam mobilisiert. Wir hatten die Möglichkeit die Chef-Physiotherapeutin in der Handhabung der Sitzhilfe und des Bettvelos zu schulen und so die Pflege auf der Station zu unterstützen. Insgesamt haben wir zwei Schulungen zur Handhygiene durchgeführt, im Verlauf wurde eine Verbesserung sichtbar.
Die Massnahmen der sieben SOPs wurden nur marginal durchgeführt. Mit dem Chefarzt wurden minimale Massnahmen der SOPs vereinbart, die er durchsetzen wird. Erfreulicherweise wurde aber das Problem des zu wenig zur Verfügung stehenden Sauerstoffs mittels Neubau eines Sauerstoffkonzentrators vollständig behoben. Die Vorlesungen zu Hygiene und rationaler Antibiotikatherapie war sehr gut besucht. Zur Vertiefung der Thematik wurde für den Herbst 2026 mit dem Spitaldirektor eine spitalweite Hygienekampagne vereinbart. Die ersten Vorlesungsserie «Applied Physiology» wurde für Oktober 2026 fixiert. An einem Treffen mit der zuständigen Person für Intensivmedizin-relevante nationale Behandlungsprotokolle (Prof. Mukhtarovich, Chairman of the Discussion Council of Anesthesiology and Reanimatology in Tadjikistan) wurde unser Vorschlag zur Mitarbeit bei der Erneuerung begrüsst und versprochen, wissenschaftliche Evidenz und internationale Guidelines einfliessen zu lassen.
Romy Schwab, Rafael Engel und Stephan Jakob
