Einsatzbericht Stiftungsgastvisite Swiss Medical Teams, Mai2026

Im Mai 2026 hatte ich als Ehefrau des verstorbenen Chirurgen Jürg Ammann zu dessen Ehren die Stiftung Swiss Medical Teams gegründet wurde, erstmals die Gelegenheit, die medizinisch-chirurgischen Einsätze der Teams in Duschanbe persönlich zu begleiten. Mit grosser Freude durfte ich die verschiedenen Fachbereiche Intensivmedizin, Anästhesie inklusive Schmerztherapie, Kinderchirurgie, Neurochirurgie sowie Pädiatrie kennenlernen und dabei wertvolle Einblicke in deren tägliche Arbeit gewinnen.

Besonders beeindruckt hat mich die Zusammenarbeit zwischen den Schweizer Teams und den lokalen tadschikischen Fachkräften. Trotz unterschiedlicher kultureller Hintergründe – insbesondere auch im medizinisch-chirurgischen Verständnis – war stets der Wille spürbar, voneinander zu lernen und gemeinsam Lösungen zu finden. Gerade in einem solchen Umfeld braucht es viel Fingerspitzengefühl, Offenheit und gegenseitigen Respekt, um sich in eine andere Mentalität und Arbeitsweise einzufühlen.

Eine zusätzliche Herausforderung stellte die Kommunikation dar. Gespräche in Deutsch oder Englisch mussten jeweils ins Russische oder Tadschikische übersetzt werden. Dadurch wurde deutlich, wie wichtig Geduld und gegenseitiges Verständnis in der internationalen Zusammenarbeit sind. Erfreulich zu sehen, dass die junge Ärzteschaft und Medizinstudierende sich der englischen Sprache recht gut zu bedienen wussten.

Im Bereich der Hygiene zeigte sich, dass die Umsetzung westlicher Standards unter den gegebenen Bedingungen nicht immer einfach ist. Gleichzeitig hat mich jedoch sehr positiv überrascht, auf welch hohem chirurgischem Niveau die lokalen Fachpersonen arbeiten. Der Unterschied liegt etwas weniger stark in den fachlich-manuellen Fähigkeiten als vielmehr in der gesamtheitlichen Betreuung der Patientinnen und Patienten – insbesondere in den Bereichen Vorbereitung, Aufklärung und Nachbetreuung. Hier bestehen sicherlich weiterhin Entwicklungspotenzial und ein wichtiger Ansatzpunkt für zukünftige Unterstützung.

Sehr erfreulich war zudem zu beobachten, wie dankbar die lokalen Ärztinnen und Ärzte die Zusammenarbeit und Unterstützung aufgenommen haben. Gleichzeitig war der Einsatz auch für die Auszubildenden aus der Schweiz von grosser Bedeutung. Sie konnten erfahren, wie wichtig es ist, Wissen nicht nur zu vermitteln, sondern dessen nachhaltige Integration in den klinischen Alltag aktiv zu begleiten.

Zum Abschluss meiner Visite fanden auf verschiedenen medizinischen und politischen Ebenen Debriefings statt, die von allen Beteiligten vorwiegend positiv aufgenommen wurden. Unserer Seite haben aber auch Verbesserungsvorschläge eingebracht; insbesondere die Verbesserung der Hygiene, der zu lockere Einsatz von Antibiotika und der Einsatz von Medikamenten, die wissenschaftlich nicht nachhaltig sind. Diese Gespräche ermöglichten eine offene Reflexion über Erfahrungen, Herausforderungen und gemeinsame Ziele.

Ich persönlich nehme aus dieser Stiftungsgastvisite einen ausserordentlich positiven Eindruck mit – sowohl menschlich als auch fachlich. Die Begegnungen, die Zusammenarbeit und das gegenseitige Lernen haben mich tief beeindruckt und inspiriert.

Duschanbe Mai 2026, Barbara Nüesch